Zahnmedizinische Patientenberatungsstelle BW
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Die PZR ist KEINE IGeL-Leistung!

Großteil der gesetzlichen Kassen gibt sogar Zuschüsse

Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist wesentlicher Bestandteil eines präventionsorientierten Gesamtkonzepts zur Vermeidung und Therapie von Erkrankungen des Zahn-, Mund- und Kieferbereichs. Vor diesem Hintergrund die PZR als so genannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) einzustufen, wird ihr nicht gerecht. Sowohl bei der Vermeidung von Karies und insbesondere in der Parodontitis-Therapie werden in den Praxen tagtäglich die Elemente der PZR auch zur Sicherung des Behandlungserfolges eingesetzt, betonten Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV).

Die Häufigkeit der Maßnahme richte sich immer nach dem individuellen Erkrankungsrisiko. Viele gesetzliche Krankenkassen bezuschussen die PZR deshalb auch aus guten Gründen auf freiwilliger Basis, wie mehrere Umfragen in den vergangenen Jahren ergaben.

„Vor allem für Patienten mit Parodontitis und hohem Kariesrisiko ist die PZR eine wichtige prophylaktische und therapeutische Behandlung. Sie unterstützt die Maßnahmen der häuslichen Mundhygiene zur vollständigen Beseitigung aller bakteriellen Beläge“, erklärt der BZÄK-Vizepräsident, Prof. Dr. Dietmar Oesterreich.

„Die PZR ist eine wissenschaftlich anerkannte, hochwirksame Präventionsleistung. Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen sind in Deutschland oralprophylaktische Maßnahmen nach dem 18. Lebensjahr aber zu Recht in die Eigenverantwortung der Patienten gestellt. Die Klassifizierung der PZR als IGeL-Leistung ist daher sachlich falsch und eine bewusste Irreführung von tausenden Versicherten. Das ist sehr bedauerlich und wirft zugleich ein schlechtes Licht auf die – angeblich neutrale – Berichterstattung des MDS in Form von Rankings und Reporten“, sagte Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV.

In Deutschland leidet etwa die Hälfte aller Erwachsenen an parodontalen Erkrankungen unterschiedlicher Schweregrade. Die zahnmedizinische Notwendigkeit einer PZR sollte von Seiten der Kassen daher positiv herausgestellt, statt immer wieder in Frage gestellt werden, forderten KZBV und BZÄK.

Hintergrund – Umfang und Nutzen einer PZR
Eine PZR umfasst in der Regel die gründliche Reinigung von Zähnen und Zahnfleisch, eine Politur sowie eine Fluoridierung. Die Maßnahme ist auch für Patienten sinnvoll, die ihre Zähne regelmäßig pflegen. Denn durch spezielle Instrumente erreichen Zahnärzte Stellen im Mund, an die Zahnbürste und Zahnseide nicht herankommen. Bakterien im Mundraum werden gründlich entfernt, Zähne und Zahnfleisch vor einer Neuansiedelung geschützt. Dies kann Allgemeinerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen vorbeugen. Nach der Reinigung gibt das Praxisteam zudem individuelle Tipps zur Mundpflege und zu einer zahngesunden Ernährung. 

Die Professionelle Zahnreinigung wurde Anfang 2012 im Rahmen der Novellierung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) als medizinisch notwendige Maßnahme aufgenommen. Gesetzliche Krankenversicherungen finanzieren die PZR teilweise im Rahmen von freiwilligen Leistungen.

Quelle: BZÄK, KZBV

Datum: 12.07.2016

Zahnärzte Baden-Württembergs informieren: Professionelle

Zahnreinigung (PZR)

- "Frühjahrsputz" für Zähne und Zahnfleisch

 

Wenn Sie schon bei der professionellen Zahnreinigung (abgekürzt PZR) waren, werden Sie dieses hilfreiche Angebot für mehr Zahngesundheit nicht mehr missen wollen. Und wahrscheinlich haben Sie dann auch schon einen Termin für die nächste Prophylaxe-Behandlung in den Kalender eingetragen. Nur wer diesen gründlichen „Zahnputz“ noch nie in Anspruch genommen hat, möchte vielleicht etwas mehr wissen, ehe er sich einen Termin in seiner Zahnarztpraxis geben lässt. Die Pflege- und Vorsorgemaßnahmen werden von fortgebildeten Fachkräften vorgenommen, die in der Vorbeugung gegen Karies und Zahnfleischerkrankungen speziell ausgebildet sind. Je nach individueller Situation werden sie harte und weiche Zahnbeläge entfernen, Verfärbungen beseitigen und die Zahnoberflächen glätten. Zusätzlich werden die Zahnzwischenräume sorgfältig gereinigt und die Zähne gegebenenfalls mit einem Fluoridlack bestrichen. Eine persönliche Beratung zur Zahnpflege gehört ebenfalls mit zu dieser Behandlung, die für sichtbar saubere Zähne und spürbar glatte Zahnoberflächen sorgt. Die professionelle Reinigung sollte regelmässig erfolgen, denn auch bei ganz penibler Mundhygiene wird man nie alle Ablagerungen entfernen können. Manche Stellen sind für Bürste und Zahnseide nur schwer erreichbar, sodass sich Zahnbelag bildet, der mit der Zeit zu Zahnstein verhärtet. Weisheits- und Backenzähne, aber auch Zahnzwischenräume gehören zu den Problemstellen. Welche Instrumente die Prophylaxe-Assistentin oder die Dental-Hygienikerin verwendet, hängt davon ab, was für Ihr individuelles Problem nötig ist und nach welcher Methode in der Praxis gearbeitet wird. Ultraschall-Geräte lockern den Zahnstein und sprengen ihn ab; Mini-Sandstrahler (Air-Flow-Geräte) entfernen Verfärbungen durch Kaffee, Tee oder Tabak. Weiche Beläge entfernt man mit Bürsten oder Zahnseide, den festen Belägen kann man mit speziellen Handinstrumenten wie Küretten oder Scalern zu Leibe rücken. Und weil Bakterien sich zuerst an rauen Stellen und in Nischen festsetzen, wird man zum Schluss alles tun, um die Zähne bis zum Zahnfleischansatz zu glätten. Dafür werden Gummi- Aufsätze oder Polier-Pasten und Bürstchen verwendet. Ein Fluorid-Gel, der den Zahnschmelz stärkt und schützt, rundet die Behandlung ab. Der Abstand zwischen den Prophylaxesitzungen richtet sich nach den individuellen Gegebenheiten und dem Zustand von Zähnen und Zahnfleisch. Ein weiterer entscheidender Faktor ist natürlich Ihre häusliche Mundhygiene. Erfahrungsgemäß wird die Zahnpflege von Patienten, die regelmäßig zur Prophylaxe kommen, engagierter und effizienter durchgeführt. Das liegt häufig an der Beratung durch den/die Zahnarzt/Zahnärztin und der Prophylaxe-Helferin, aber auch daran, dass man es zu schätzen weiß, wenn Zähne und Zahnfleisch rundum gesund und gepflegt sind. Wenn Sie regelmäßig und verantwortungsbewusst die nötigen Prophylaxe-Maßnahmen wahrnehmen, ist die Chance groß, gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch zu erhalten.

 

Quelle: IZZ, KZV BW, LZK BW

Datum: 05.05.2015

 

Selbstzahler-Leistungen beim Zahnarzt - nicht zu verwechseln mit IGeL

Individuelle Gesundheitsleistungen – verkürzt IGeL genannt – sind von den gesetzlichen Krankenkassen als medizinisch nicht notwendig eingestufte zusätzliche Behandlungen und Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt. Diese werden von den Versicherten selbst getragen, da sie entsprechend nicht zum Leistungskatalog der Kassen gehören. Denn nur bei begründetem Krankheitsverdacht werden die Kosten für eine Vorsorgeuntersuchung bezahlt.

Vielfach werden die IGeL-Angebote als ein „lukratives Geschäft“ kritisiert. So auch in einem aktuellen Beitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „Extras beim Arzt am Pranger“. Dies mit der Begründung, dass laut Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK jährlich 1,5 Milliarden Euro mit individuellen Gesundheitsleistungen umgesetzt würden und unerfahrene Patienten über Sinn und Zweck der Leistung nicht informiert seien. Als Beispiel für IGeL-Leistungen wird unter anderem die Professionelle Zahnreinigung aufgeführt.

Doch gerade im zahnärztlichen Bereich existieren praktisch keine Leistungen, deren Notwendigkeit oder Wirksamkeit nicht erwiesen sind. Daher beteiligen sich sehr viele Krankenkassen auch freiwillig an nicht im Grundleistungskatalog enthaltenen Behandlungen wie der Professionellen Zahnreinigung. "Mit IGeLn hat das nichts zu tun." so auch die Aussage von Dr. Jürgen Fedderwitz, Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), in einer Pressemitteilung zur bereits in 2012 aktuellen Diskussion um die Individuellen Gesundheitsleistungen. Wenn sich ein Patient aus ästhetischen Gründen für aufwändigere Therapiealternativen entscheide – beispielsweise einer Keramik- statt einer Vollmetallkrone für einen Seitenzahn – so werde er als Teil der umfassenden zahnärztlichen Aufklärungspflicht und des verbrieften Rechts des Patienten auf zusätzliche Kosten hingewiesen. 

Grundsätzlich hat die Patientenberatung einen äußerst hohen Stellenwert in der Praxis – und das mit sehr hoher Zufriedenheitsquote beim Zahnarzt. Das jameda Patientenbarometer, Ausgabe 1/2014 zeigt dies auch in Zahlen. Insbesondere Zahnarztpatienten fühlen sich durch ihre Zahnärzte sehr gut aufgeklärt. Mit einer „Aufklärungs“-Note von sehr gut mit 1,42 (auf einer Notenskala von 1-6) nehmen Zahnärzte im Vergleich der Fachärzte Platz 1 in dieser Kategorie ein. Sie liegen damit deutlich über dem Durchschnittswert von 1,85 bezüglich der Aufklärungszufriedenheit.

Sollte trotzdem noch eine Frage offen sein oder eine zweite Meinung zu einer vorgeschlagenen Therapie gewünscht werden, so bietet die Zahnmedizinische Patientenberatungsstelle Baden-Württemberg mit ihrem Beratungssystem umfassende Unterstützung an.

Es muss also bei der Diskussion um IGeL genau hingeschaut werden – und zahnärztliche Leistungen dürfen dabei nicht pauschal mit IGeL gleichgesetzt werden.

Quelle: FAZ, KZBV

Datum: 08.09.2014